05/10/2026 0 Kommentare
Besonderer Gottesdienst Paul Gerhardt
Besonderer Gottesdienst Paul Gerhardt


„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, „Nun ruhen alle Wälder“ oder „Befiehl du deine Wege“: Die Texte von Paul Gerhardt (1607-1676) gehören bis heute zu den bekanntesten Kirchenliedern.
Vor 350 Jahren, am 27. Mai 1676, starb der Pfarrer in Lübben im Spreewald. Geboren wurde er 1607 in Gräfenhainichen bei Wittenberg, und er durchlebte ein Jahrhundert geprägt vom Dreißigjährigen Krieg, von Pest und Konfessionsstreit.
Gerhardt wusste, was Leid ist: Mit 12 Jahren verliert er seinen Vater, mit 14 Jahren die Mutter. Als er 20 ist, stirbt sein Bruder. Vier seiner fünf Kinder sterben innerhalb der ersten zwei Lebensjahre. Kurz vor seinem 60. Geburtstag verzichtet er im Konfessionsstreit mit dem Kurfürsten auf seine Pfarrstelle an der Berliner Nikolaikirche, im Jahr darauf stirbt seine Frau.
Sein Berufsweg verläuft nicht geradlinig. Viele Jahre lang ist er Student und Hauslehrer, erst in Wittenberg, dann in Berlin. Erst mit 44 Jahren wird Gerhardt zum Pfarrer ordiniert.
Paul Gerhardt hat es geschafft, die Herausforderungen und Schwierigkeiten auf poetische Weise zu bewältigen. Er hat seine Lieder an sich selbst erprobt. Gerhardts Lieder reichen bis in die Tiefe des Leidens und öffnen dort ein Fenster zum Himmel.
Die Überlieferung der Lieder Gerhardts verlief nicht ohne Brüche. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind Lieder Gerhardts wieder in Gesangbücher aufgenommen worden. Im Evangelischen Gesangbuch stehen im Stammteil 26 seiner Lieder, wenn auch häufig nicht mit allen Strophen, im katholischen Gotteslob sieben. Die Gläubigen konnten immer viel mit Gerhardts Liedern anfangen, weil sie auf existenzielle Lebenslagen eingehen und auf berührende Weise Hoffnung geben.
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